Wirtschaft und Handel
26/02/08
bribrilong
Die Hanse und die Hansestädte
In der Mitte des 12. Jahrhunderts schlossen sich Kaufleute von der Mitte bis in den Norden und Nordosten Deutschlands zu Genossenschaften zusammen, um ihre wirtschaftlichen Interessen politisch besser zu vertreten. Dies legte den Grundstein zum Städtebund, in dem sich ganze Städte zusammenschlossen, um ihre Handelsinteressen gegenüber dem Kaiser und über Stadt- und Landesgrenzen hinweg in einem gemeinschaftlichen Organ durchzusetzen.

Kontor eines Kaufmanns zur Zeit der Hanse
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Deutsche Kaufleute auf Gotland
Die Hanse (althochdeutsch für “Schar” oder “Gefolge”) war ein Interessenverband, eine Lobby für die seefahrenden Kaufleute, die gemeinsam auf der Suche nach guten Geschäften ihre kostbaren Frachten auf große, abenteuerliche Fahrt schickten. Schon im 11. Jahrhundert hatte eine Schar Kölner Kaufleute (“Hansa”) in London ein eigenes Haus erworben, um in England billig und in großen Mengen die hervorragende englische Schafwolle zu erwerben, die sie in ihrer Heimat teuer verkauften. Den englischen Königen waren die deutschen Händler hochwillkommen, da diese ihnen hohe Summen liehen. Dafür standen die deutschen Kaufleute unter dem Schutz der englischen Krone. “Stalhof” hieß diese Handelsniederlassung der Deutschen in England, hier wurden die Waren “gestalt”, das heißt geprüft und mit einem Bleisiegel gekennzeichnet.
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Kaufmann in seinem Kontor um 1550
Gründung der Hansekontore:
Im Jahr 1235 eröffneten deutsche Kaufleute eine Handelsniederlassung im flandrischen Brügge, das damals ein Zentrum des Welthandels war. Die fahrenden Kaufleute aus Deutschland gründeten im Laufe der Zeit immer mehr Hansen mit ihren Niederlassungen vor Ort, den so genannten Kontoren. Berühmte Kontore waren London und Brügge, Bergen in Schweden und sogar Nowgorod im hohen russischen Norden. Diese Handelsstützpunkte boten den deutschen Fernhändlern wie die Enklaven der heutigen Botschaften sicheres Quartier auf fremdem Boden. Die großen Handelsniederlassungen vernetzten die daran angebundenen Städte, die rasch von den Handel treibenden Hansemitgliedern profitierten. So mündete die 200 Jahre gewachsene mittelalterliche Hanse der Kaufleute des 12. Jahrhunderts in den frühneuzeitlichen Hansebund der Städte.

Holstentor in Lübeck
Hansetage:
Als die Städte begannen ihre Interessen zu koordinieren um sie besser wahrnehmen zu können, schufen sie ein Gremium, in dem sie gemeinsam auftraten, den Hansetag. 1356 fand der erste Hansetag in Lübeck statt. Auf diesen Hansetagen, die bis 1669 existierten, trafen sich die Abgesandten der Hansestädte, diskutierten Handelsverträge, die Neuaufnahme oder den Ausschluss von Mitgliedern und den Umgang mit Handelsprivilegien. Dabei war der Hansetag ein sehr lockeres Gebilde, juristisch gesehen sogar ein Kuriosum. Denn nach der Rechtslage war das Städtebündnis überhaupt nicht existent. Obwohl der Hansetag de facto allgemeines Beschlussgremium der hansischen Städte war, gab es keinen Etat, keine Satzung, keinen Verein und keinen schriftlichen Vertrag. Trotzdem konzentrierte sich auf diesen Hansetagen die geballte ökonomische Macht des mittelalterlichen deutschen Reiches und traf Entscheidungen, die sich unmittelbar auf das alltägliche Leben der Menschen damals auswirkten.
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